Schon beim Lachen oder Niesen kann es passieren: Unfreiwillig kommt es zum Harnabgang, ohne dass man zuvor den Drang zur Toilette verspürt. So geht es Millionen Menschen in Deutschland. Doch das Thema ist nach wie vor ein Tabu in der Gesellschaft. Dabei leiden unter Blasenschwäche Frauen und Männer jeden Alters, wobei Frauen häufiger betroffen sind und das Risiko mit dem Alter zunimmt. Harninkontinenz ist zudem die verbreitetste chronische Krankheit unter Frauen. Dennoch wird das Thema in den meisten Fällen totgeschwiegen: Nur jeder fünfte Betroffene geht wegen einer Blasenschwäche zum Arzt. Zu hoch ist die Angst, in der Öffentlichkeit oder in der Familie „enttarnt“ zu werden. So nehmen sich die Betroffenen jede Chance auf Besserung – gerade mit modernen Hilfsmitteln könnte man sich den Alltag erleichtern.

 

Tabu 

Pixabay – Gerd Altmann

Leide ich an einer Inkontinenz?

Von einer Inkontinenz spricht man, wenn der Körper den Inhalt der Blase nicht sicher speichern kann und gar nicht oder nur mangelhaft selbst bestimmen kann, wann und wo er entleert wird. Bemerkbar macht sich das durch unwillkürlichen Urinverlust oder auch  Stuhlabgang.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Nehmen Sie das Problem nicht auf die leichte Schulter!

Schnelltest

Sie sollten zum Arzt gehen, wenn Sie eine der folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:

  • Müssen Sie mehr als acht Mal pro Tag auf die Toilette?
  • Müssen Sie deutlich öfter als früher auf die Toilette?
  • Spüren Sie manchmal einen unkontrollierten Drang zum Wasserlassen?
  • Haben Sie schon einmal Urin verloren, weil Sie den Drang nicht beherrschen konnten?
  • Verlieren Sie manchmal Urin beim Lachen oder Husten?
  • Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?
  • Haben Sie oft das Gefühl, Ihre Blase nicht vollständig entleeren zu können?

Kann man Inkontinenz wirklich behandeln?

Die Behandlung der Inkontinenz hängt von ihrer Art ab. Wenn Sie unserem Rat folgen und zu einem Arzt gehen, wird dieser die für Sie beste Therapie auswählen. In vielen Fällen hilft ein Beckenbodentraining oder auch ein Blasentraining. Es gibt aber auch Hilfsmittel und Medikamente, die Ihnen den Alltag erleichtern. In seltenen Fällen hilft eine Operation.

Mit Beckenbodentraining gegen Harndrang

Eine schlechte Haltung, Übergewicht und viel Sitzen können mit der Zeit dem Beckenboden zusetzen und ihn schwächen. Bei Frauen werden die Muskeln durch Schwangerschaft und Geburt zusätzlich beansprucht.

Diese Übungen können Ihnen helfen, ein Gefühl für Ihre Atmung zu entwickeln:

  • Legen Sie sich bequem auf den Rücken. Stellen Sie die Beine leicht gegrätscht auf und legen Sie eine Hand locker auf den Bauch. Atmen Sie gleichmäßig aus und ein. Bei der Einatmung hebt sich die Bauchdecke leicht, beim Ausatmen senkt sich der Bauch wieder.
  • Sie können sich auch vorstellen, dass Ihr Bauch von innen mit einem Luftballon ausgekleidet ist: Beim Einatmen füllt sich der Luftballon mit Luft und weitet sich in alle Richtungen aus, der Beckenboden senkt sich. Beim Ausatmen entweicht die Luft aus dem Ballon, der Bauch zieht sich zusammen und der Beckenboden hebt sich wieder.