Da die gesetzliche Pflegeversicherung meist unzureichend ist und nur einen Bruchteil der Kosten für eine vollwertige Pflege abdeckt, empfiehlt sich eine Pflegezusatzversicherung.

 

Ein Pflegefall tritt oft schneller ein als erwartet - dann ist es gut zu wissen, dass man im Ernstfall abgesichert ist.

 

Pflegezusatzversicherung

pixabay - Tumisu

 

Ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

In jungen Jahren, wenn man noch aktiv ist und keine Beschwerden hat, denken die wenigsten an eine Absicherung für den Ernstfall.

 

Doch ein Pflegefall kann jeden und immer ganz unerwartet treffen. Meist denkt man bei dem Begriff „pflegebedürftig“ an ältere Menschen, doch auch Kinder und jüngere Personen können betroffen sein.

 

Zwar ist jeder Bürger in Deutschland mit der gesetzlichen Pflegeversicherung abgesichert. Diese zahlt jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Vor allem die Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung kann mit den Leistungen aus der gesetzlichen Versicherung nicht gedeckt werden.

 

Eine rechtzeitige Absicherung kann beim Eintritt eines Pflegefalles die finanzielle Sicherheit bringen und die meist sehr hohen ungeplanten Kosten abfangen.

 

Welche Kosten übernimmt die Pflegezusatzversicherung

In der Regel übernimmt die private Pflegezusatzversicherung die Kosten, welche durch die gesetzliche Pflegeversicherung nicht gedeckt werden.

 

Der Versicherungsnehmer kann zwischen verschiedenen Vertragsvarianten wählen. Je nachdem, für welche Vertragsform er sich entscheidet, fällt im Pflegefall auch die Beitragszahlung durch die Pflegezusatzversicherung aus.

 

Generell wird zwischen drei verschiedenen Vertragsformen unterschieden:

 

  • Pflegetagegeldversicherung
    Hier erhält der Versicherte im Pflegefall ein zuvor festgesetztes Tagegeld.
  • Pflegekostenversicherung
    Bei dieser Variante übernimmt der Versicherungsträger die Pflegekosten, die von der gesetzlichen Pflichtversicherung nicht übernommen werden.
  • Pflegerentenversicherung
    In der Pflegerentenversicherung erhält der Bezieher im Pflegefall eine monatliche Rente, über die er frei verfügen kann.

 

TIPP: Wer früh beginnt in eine Pflegezusatzversicherung einzuzahlen, profitiert von günstigeren Konditionen. Denn mit steigendem Alter steigen auch die Beiträge.

 

Beispiel stationäre Pflege

In Deutschland kostet die Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung durchschnittlich rund 3.000 Euro pro Monat. Nur ein Teil davon wird von der gesetzlichen Pflegeversicherung getragen. Für einen Großteil der Kosten muss der Pflegebedürftige selbst aufkommen.

 

Wer rechtzeitig eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen hat, kann die verbleibenden Kosten für die stationäre Pflege aus diesen Leistungen begleichen.

 

 

Kosten pro Monat

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Verbleibender Eigenanteil

 

 

 

 

Pflegegrad 1

3.000 €

125 €

2.875 €

Pflegegrad 2

3.000 €

770 €

2.230 €

Pflegegrad 3

3.000 €

1.262 €

1.738 €

Pflegegrad 4

3.000 €

1.775 €

1.225 €

Pflegegrad 5

3.000 €

2.005 €

995 €

 

 

Beispiel ambulante Pflege

Auch eine von einem gewerblichen Pflegedienst durchgeführte ambulante Pflege kann schnell die finanziellen Reserven aufbrauchen. Oftmals unterschätzen Betroffene die immensen Kosten, die ein Pflegedienst verursacht.

 

Bei diesem Beispiel gehen wir von durchschnittlichen monatlichen Kosten in Höhe von etwa 1.800 Euro aus. Je nach Pflegegrad können diese aber deutlich variieren.

 

 

Kosten pro Monat

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Verbleibender Eigenanteil

 

 

 

 

Pflegegrad 1

1.800 €

-

2.000 €

Pflegegrad 2

1.800 €

689 €

1.311 €

Pflegegrad 3

1.800 €

1.298 €

702 €

Pflegegrad 4

1.800 €

1.612 €

388 €

Pflegegrad 5

1.800 €

1.995 €

5 €

 

Anmerkung: In diesem Beispiel wurden auch eventuelle Zusatzleistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht berücksichtigt, welche zu anderen Ergebnissen in der Berechnung führen könnten.

 

Was ist beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung zu beachten

Es gibt inzwischen zahlreiche Anbieter für eine Pflegezusatzversicherung und die Entscheidung fällt schwer.

 

WICHTIG: Der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist eine langfristige Investition in die Zukunft. In vielen Fällen entfällt bei vorzeitiger Kündigung der Versicherungsschutz und das bereits eingezahlte Geld wird nicht zurückerstattet. Aus diesem Grund sollte jeder Versicherungsnehmer im Vorfeld genau überlegen, ob diese Art der Versicherung auch geeignet ist.

 

Wir haben hier die wichtigsten Punkte zusammengetragen, die es bei der Auswahl des geeigneten Versicherungsträgers zu beachten gilt.

 

  • Ist vorzeitige Kündigung aufgrund veränderter Lebensumstände möglich?
  • Zahlt die Versicherung, auch wenn der Versicherungsnehmer ins Ausland übersiedelt – europaweiter oder weltweiter Versicherungsschutz?
  • Keine lange Wartezeit zwischen dem Eintritt des Pflegefalles und der ersten Zahlung der Versicherung. (Hier gilt es die Vertragsbedingungen genau zu lesen. Manche Versicherungen sehen eine Wartezeit von bis zu drei Jahren vor.)
  • Tritt ein Pflegefall ein, sollten die Beitragszahlungen automatisch gestoppt werden können. (Auch hier sehen manche Versicherungsanbieter die Fortzahlung der Beiträge auch im Leistungsfall vor.)
  • Pflegeleistungen sollten bereits ab der Pflegestufe 1 geleistet werden.
  • Die Leistungen aus der Versicherung sollten in jeder Pflegestufe angemessen sein.
  • Eine Erhöhung der Leistungen sollte mit Höherstufung in einen anderen Pflegegrad mit einem einfachen Nachweis möglich sein.
  • Welche Möglichkeiten gibt es, wenn die Beitragszahlungen nicht mehr leistbar sind?
  • Absicherung der bereits eingezahlten Beiträge im Todesfall.

 

Senioren

pixabay - Wilfried Pohnke

Versicherungsmodelle in der Pflegezusatzversicherung im Vergleich

Die verschiedenen Möglichkeiten beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung bieten auch unterschiedliche Leistungsangebote der einzelnen Versicherungsträger.

Für einen besseren Überblick haben wir die wichtigsten Punkte tabellarisch dargestellt. (Die Angaben stellen nur einen generellen Vergleich zu den Voraussetzungen und Leistungen dar. Für konkrete Angaben müssen diese beim jeweiligen Versicherungsanbieter erfragt werden.)



 

Pflegetagegeld-versicherung

Pflegekosten-versicherung

Pflegerenten-versicherung

Art der Versicherung

Krankenversicherung

Krankenversicherung

Lebensversicherung

Beitragshöhe

Vergleichsweise niedrig

Vergleichsweise niedrig

Vergleichsweise höher

Leistungen der Versicherung

Lebenslanges monatliches Pflegetagegeld

Erstattung der Pflegekosten

Lebenslange monatliche Rente

 

Beitragszahlung

Lebenslange monatliche Zahlung

Lebenslange monatliche Zahlung

Verschiedene Zahlungsmöglichkeiten

Kündigungsmöglichkeit

Nur mit Verlust

Nur mit Verlust

Möglich

Beitragsstopp im Pflegefall

Oft nur in höheren Pflegestufen

Oft nur in höheren Pflegestufen

Meist möglich

Rückkaufsfähig

Nein

Nein

Ja

Versicherungsschutz im Ausland

Meist Europa

Meist Europa

Meist Europa und weltweit

Fazit

Eine Pflegezusatzversicherung bietet eine gute Absicherung im Pflegefall und schließt die Lücke zwischen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten.

Da man sich bei dieser Zusatzversicherung allerdings zu einer langfristigen monatlichen Beitragszahlung verpflichtet, sollte im Vorfeld genau abgewägt werden, ob diese auch notwendig ist.

 

Quellenangaben

Verbraucherzentrale

Krankenkassenzentrale