Nahezu 3 Millionen Menschen sind in Deutschland aktuell pflegebedürftig. Doch wer allgemein an pflegebedürftige Personen denkt, hat Bilder von Senioren im Kopf, die nach einem langen Leben durch Krankheiten gebrechlich und krank wurden. Das stimmt im Grunde auch. Tatsächlich sind die meisten Pflegebedürftigen in Deutschland ältere Menschen: 71 Prozent von ihnen sind über 74 Jahre alt. Nichtsdestotrotz gibt es auch viele jüngere Menschen, die auf Pflege und Hilfe angewiesen sind.
Mehr als 300.000 Pflegebedürftige sind zwischen 15 und 60 Jahre alt. Wären sie gesund, würden sie ganz normal an der Gesellschaft teilnehmen und zur Schule gehen, eine Ausbildung machen, studieren oder arbeiten gehen. Stattdessen sind auch sie wie ältere Menschen auf Pflege angewiesen.

Was ist "Junge Pflege"?

Unter „junger Pflege“ versteht man die Pflege jener 300.000 Pflegebedürftigem, die zwischen 15 und 60 Jahre alt sind und unter gesunden Umständen mitten im Leben stehen würden. Durch eine Krankheit oder einen Unfall ist dieses normale Leben für sie nicht mehr möglich. Die Pfleger, Betreuer und Therapeuten in der jungen Pflege haben das Ziel, so viel Normalität wie möglich in ihren Alltag zu bringen.
Knapp 90 Prozent dieser 300.000 Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Die Eltern oder der Partner kümmern sich um sie. Manchmal werden sie auch von ambulanten Pflegediensten unterstützt. Doch nicht immer ist die Pflege zu Hause möglich, beispielsweise bei Alleinstehenden oder Pflegebedürftigen, deren Angehörige zu alt für die Pflege sind.
In vielen Fällen werden junge Pflegebedürftige dann in Altenpflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen untergebracht. Passende Angebote und Einrichtungen für junge Menschen fehlen häufig.

Ursachen für die Pflegebedürftigkeit junger Menschen

Ältere Menschen werden in der Regel durch altersbedingte Krankheiten wie Demenz oder einen Schlaganfall pflegebedürftig. Bei Jüngeren ist oftmals ein Unfall oder eine chronisch fortschreitende Erkrankung Ursache für die Pflegebedürftigkeit. Unten finden Sie die Ursachen aufgelistet:
•    35 % Lähmungen
•    32 % Intelligenzminderungen
•    24 % Epilepsie
•    22 % Entwicklungsstörungen
•    10 % Down-Syndrom.

Pflegeheime für junge Menschen

Während in der Altenpflege die Bewohner eines Altenheims ihren letzten Lebensabschnitt dort verbringen, werden junge Pflegebedürftige häufig über Jahrzehnte begleitet. Hier gibt es andere Anforderungen und Aufgaben, da das Leben von jungen Pflegebedürftigen so gut wie möglich von Normalität und Alltag geprägt sein sollte.
Statt in Heimen, leben sie idealerweise in gemütlich eingerichteten Wohngemeinschaften. In Wohngruppen können sie ein weitgehend eigenständiges Leben führen, ihren eigenen Haushalt schmeißen und sich zu Hause fühlen. Die kleinen Gruppen von etwa zehn Bewohnern schaffen Vertrauen und Geborgenheit und sollen ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, damit niemand vereinsamt. Häufig werden diese Gruppen von speziell ausgebildeten Betreuern begleitet. Nach Bedarf kommen Physio- und Ergotherapeuten sowie Ärzte hinzu.