Inkontinenz ist nicht nur ein Thema für ältere Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag hinter sich haben. Aus Schamgefühl sprechen die meisten Betroffenen nicht über ihre Inkontinenz. Laut dem Bericht „Tabuthema Inkontinenz“ des internationalen Markt­forschungsinstituts YouGov waren zwei von fünf Deutschen bereits einmal in ihren Leben von Inkontinenz betroffen, Frauen häufiger Männer. Bei einem Drittel der Deutschen tritt der Harnverlust wieder­holt auf. Die Hälfte all dieser Betroffenen sind älter als 55 Jahre alt. Allerdings gehören 10 % der Betroffenen der Altersgruppen der 25- bis 34-Jährigen an.

Inkontinenz junge Menschen

pixabay - Marcel Gnauk

Trotz hohem Leidensdruck keine Medikamente

Inkontinenz ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu. Viele Betroffene gehen nicht zum Arzt. 55% aller Betroffenen nehmen keine Medikamente oder verwenden Hilfsmittel, um die Inkontinenz zu behandeln. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Fast jeder zehnte Betroffene fühlt sich zu jung, um Hilfsmittel zu nutzen, fünf Prozent geben an, die Verwendung von Hilfsmitteln, beispielsweise Slipeinlagen, sei ihnen unangenehm. Vier Prozent gaben sogar an, dass sie keine Hilfsmittel oder Medika­mente kennen. 
Die Erhebung zeigt auch, dass Frauen und Männer mit dem unkontrollierten Harnverlust unterschiedlich umgehen. Ihnen sind verschiedene Dinge im Zusammenhang mit Inkontinenz unangenehm. Männer befürchten vor allem Einschränkungen und Behinderungen im Alltag. Die größte Befürchtung junger Betroffener ist, dass lange Autofahrten nicht mehr möglich seien. Frauen hingegen empfinden es als unangenehm, dass sie ihren Körper nicht mehr vollständig kontrollieren können. Neben diesem Kontrollverlust ist das Auftreten von unangenehmen Gerüchen besonders störend.

Wo finde ich Hilfe bei Inkontinenz?

Auch bei der Informationssuche gibt es laut Report geschlechtsspezifische Abweichungen: Mehr als ein Drittel der betroffenen Männer (38 Prozent) sucht Rat beim Haus- oder Facharzt, etwa jeder Fünfte informiert sich im Internet. Mehr als ein Drittel der betroffenen Frauen (35 Prozent) gibt dagegen an, selbst aktiv nach Hilfs­mitteln gesucht zu haben, zum Beispiel in der Drogerie oder dem Supermarkt. Suchen Sie sich auf jeden Fall Hilfe! Neben einem Apotheker ist auch der Gang zum Hausarzt sinnvoll. Er kann den Schweregrad der Inkontinenz einschätzen und Ihnen Rezepte für Medikamente oder Hilfsmittel ausstellen. Es gibt Hilfsmitteln in verschiedenen Formen mit verschiedenen Saugstärken, die den Betroffenen den Alltag erleichtern. Auch ein Beckenboden- oder Blasentraining kann helfen.