Es ist ein in der Gesellschaft weitgehend unbekanntes Phänomen: Viele Leistungssportler leiden unter Inkontinenz. Aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen sind vor allem Frauen betroffen. In manchen Sportarten liegt die Quote der Leidtragenden bei bis zu achtzig Prozent. Scham lässt die meisten jungen Frauen schweigen.


Tabuthema Inkontinenz

Da so viele junge Sportlerinnen betroffen sind, stellt sich die Frage, was man tun kann. Der erste notwendige Schritt wäre die Aufklärung unter Hinzuziehung von Eltern, Physiotherapeuten sowie Trainerinnen und Trainern. Sobald das Thema offen angesprochen würde, wäre es erst möglich, es zu entdramatisieren und enttabuisieren. Sportmediziner sind sich einig, dass es nicht angehen könne, dass junge Frauen mehrere Jahre unter einem lösbaren Problem leiden, nur weil niemand darüber spricht.

Außerdem wäre es wichtig, insbesondere bei Leistungs- und Hochleistungssportlerinnen Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur in den Trainingsplan zu integrieren. Aktuelle Studien versuchen zu belegen, dass diese Spezialtrainings die allgemeine sportliche Leistungsfähigkeit sogar erhöhen.

Untergewicht führt zur Schwächung der Beckenbodenmuskulatur

Inkontinenz kann viele Ursachen haben. Bei der Aufklärung unter jungen Spitzensportlern wäre es zunächst ratsam, den Stress zu reduzieren und Druck von den Sportlerinnen zu nehmen. Der Dreiklang aus körperlichen Gegebenheiten in Verbindung mit Belastungen bei bestimmten Sportarten, hormonellen Bedingungen und psychischen Voraussetzungen ist ein Nährboden für Inkontinenz.

Vor allem ein starkes Untergewicht sorgt dafür, dass auch die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist. Manche Sportlerinnen treiben es mit dem Abnehmen so weit, dass der Körper nur noch auf Überleben programmiert ist und die Regel für lange Zeit – teilweise über mehrere Jahre – ausbleibt. Dafür wiederum ist meistens ein ungesunder Leistungs- beziehungsweise Erfolgsdruck verantwortlich, der häufig genug auch von außen kommt. Verbunden mit hohen biomechanischen Belastungen ist dann Inkontinenz die fast schon logische Konsequenz.