Fast jeder zweite Schlaganfallpatient leidet unmittelbar nach dem Ereignis an einer Harninkontinenz. Mittelfristig bleibt das Symptom für jeden dritten Patienten weiterhin ein Problem.

Zu den Symptomen der Harninkontinenz zählen der unwillkürliche Verlust von Harn (Urin), ein starker Drang zum Wasserlassen (Dranginkontinenz) oder der Abgang von Harn beim Lachen oder Niesen (Stressinkontinenz). Diese Symptome sind bei Schlaganfall-Patienten ausgeprägter als bei anderen Menschen mit Harninkontinenz. Sie bewirken bei den Betroffenen Schamgefühle sowie psychischen Stress und beeinträchtigen ihre Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen. Eine Harninkontinenz beeinträchtigt das Selbstwertgefühl, und Depressionen sind häufig. Die Inkontinenz hat auch große Auswirkungen auf die Familien und kann den Zeitpunkt der Entlassung der Betroffenen aus der Klinik beeinflussen.

Schlaganfall 
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Was passiert bei einem Schlaganfall?

Grundsätzlich gibt es zwei Formen des Schlaganfalles: die Mangeldurchblutung (80 Prozent der Schlaganfälle) und die Blutung (20 Prozent der Schlaganfälle). Bei der Mangeldurchblutung kann ein Blutklümpchen über den Blutkreislauf in das Gehirn geschleust werden und ein Gefäß verschließen. Außerdem können auch Kalkablagerungen in den Blutgefäßen des Gehirns zu einem Gefäßverschluss führen. Ist ein Gefäß verschlossen, kann das Blut nicht mehr zu den entsprechenden Nervenzellen fließen und sie nicht mehr mit Blut versorgen. Es kommt zu einer Sauerstoffunterversorgung (Ischämie) und die Nervenzellen sterben ab. Bei der Blutung reißt oder platzt ein Blutgefäß im Gehirn. Das Blut fließt ungehindert in das umliegende Hirngewebe und drückt massiv auf die hochempfindlichen Nervenzellen. Auch hier ist eine Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff und das Absterben die Folge.

Harninkontinenz und Schlaganfall – wie hängt das zusammen?

Durch die beschriebene Schädigung im Gehirn stirbt Gewebe ab, und die mit dem Gewebe verbundene Leistung des Gehirns geht verloren. Am häufigsten sind Lähmungen die Folge – halbseitig rechts bei linksseitigem Schlaganfall, halbseitig links bei rechtsseitigem. Seltener kann es aber auch zu Sehstörungen, Hörstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder Sprachstörungen kommen.

Da das Gehirn auch an der Steuerung der Harnspeicherung und Harnentleerung beteiligt ist, sind auch hier Ausfälle möglich: Fehlt die Kontrolle über die Blase, kann es zu einer Überaktivität der Blase mit häufigem und zwanghaftem Wasserlassen kommen. Ist die Auslösung und Steuerung des Wasserlassens gestört, wird die Blase nicht mehr leer – eine Restharnbildung oder Harnverhaltung können entstehen.

Gehirn
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Die Frühphase nach dem Schlaganfall

In der Frühphase besteht die Gefahr, dass die Blase durch Harnverhalt überdehnt wird. Dieser Harnverhalt kann sich zu einer Dranginkontinenz entwickeln. Betroffene Patienten erhalten deshalb anfangs einen Blasenkatheter. Eine spontane Rückbildung der Dranginkontinenz ist möglich. Um zu verhindern, dass die Blase sich an die passive Ableitung des Urins über einen Katheter „gewöhnt“, sollte frühzeitig mit einem Blasentraining begonnen werden. Hier ist z.B. das Verfahren des Einmalkatheterismus anwendbar. Der Urin kann sich in der Blase sammeln. Der Patient lernt dadurch, den entsprechenden Dehnungsreiz der Blase wahrzunehmen und den Urin mittels Katheter abzuführen.