Pflegegrade neu

Mit dem zweiten und dritten Pflegestärkungsgesetz aus dem Jahre 2017 erfolgte die Umstellung in ein neues Begutachtungs- und Pflegesystem.

Was man früher unter Pflegestufen kannte, nennt man heute Pflegegrade. Mit dem neuen Namen kamen auch eine Vielzahl an Änderungen zugunsten der Pflegebedürftigen.

Relevant für die Einstufung in die neuen Pflegegrade ist die noch vorhandene Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen.

Erfahren Sie in diesem Artikel alles zu den Pflegegraden neu und was sich mit der Umstellung für Sie geändert hat.

 

Von Pflegestufen zu Pflegegraden

 

 

pixabay - anSICHThoch3

 

Die Einteilung der Pflegestufen wurde bis 2016 daran gemessen, wie viele Minuten Pflege oder Hilfe eine Person am Tag benötigt.

Seit 2017 ist der Schweregrad der Pflegebedürftigkeit für die Einteilung in die Pflegegrade ausschlaggebend. Diese wird daran gemessen, wie selbstständig der Patient seinen Alltag meistern kann. In 6 verschiedenen Modulen wird geklärt, was der Pflegebedürftige noch selbst machen kann, wo er Hilfe benötigt und in welchem Ausmaß.

Personen, die bereits vor der Umstellung einer Pflegestufe zugewiesen waren, wurden mit 2017 in den betreffenden Pflegegrad übernommen. Eine neue Beantragung ist nicht erforderlich.

 

Was hat sich geändert

Durch die Reform der Pflegestufen, werden nach der neuen Beurteilungsmethode auch Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, etwa durch Demenz unterstützt. Somit erfahren viele Pflegebedürftige eine Verbesserung der finanziellen Situation.

Zusätzlich zum neuen Pflegestärkungsgesetz II trat 2017 auch das Pflegestärkungsgesetz III in Kraft. Hier wird besonders auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen in ländlichen Gegenden eingegangen.

Neben einer stärkeren Berücksichtigung Demenzkranker, gelten auch neue Begutachtungskriterien, mit deren Hilfe Personen mit kognitiven und psychischen Problemen die gleichen Pflegeleistungen ermöglicht werden, wie bis jetzt nur körperlich Pflegebedürftigen.

Da viele Personen mit einer körperlichen Einschränkung auch noch andere Einschränkungen im kognitiven oder psychischen Bereich haben können, profitieren auch sie durch die Zurechnung dieser Erkrankungen.

Zudem wurden die Gelder an die Preisentwicklung angeglichen.

 

Die Einstufung bestehender Pflegestufen in die neuen Pflegegrade

Körperlich eingeschränkte Personen, wurden von der anerkannten Pflegestufe in den nächsthöheren Pflegegrad eingeordnet. Personen, welche eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen, wurden von der anerkannten Pflegestufe auf den übernächsten Pflegegrad angehoben.

Pflegegrad 1

  • Neu seit 2017

Pflegegrad 2

  • Personen der Pflegestufe 0
  • Personen der Pflegestufe 1

Pflegegrad 3

  • Personen der Pflegestufe 1, die eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen
  • Personen der Pflegestufe 2

Pflegegrad 4

  • Personen der Pflegestufe 2, die eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen
  • Personen der Pflegestufe 3

Pflegegrad 5

  • Personen der Pflegestufe 3
  • Personen der Pflegestufe 3 mit Härtefall

 

Das neue Begutachtungssystem

Als Grundlage für die Erstellung eines Pflegegutachtens dient das „Neue Begutachtungsassessment“, auch NBA genannt. Die Begutachtung wird von einem unabhängigen Pflegegutachter des Medizinischen Dienstes (MDK) durchgeführt und wird mittels eines Punktesystems bewertet.

Das Begutachtungsgespräch findet in den Räumlichkeiten des Pflegebedürftigen statt und dauert etwa 60 Minuten. Während dieses Gespräches werden insgesamt 64 Kriterien unterteilt in 6 Bereichsmodule bewertet.

Für jedes Kriterium können zwischen 0 Punkten (sehr selbstständig) und 3 Punkten (unselbstständig) vergeben werden. Aufgrund der Tatsache, dass bei der neuen Einteilung in die Pflegegrade vorrangig auf die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen Rücksicht genommen wird, können im Modul Selbstversorgung mehr Kriterien beurteilt werden als in den anderen Modulen. Somit fließt dieses Modul stärker in die Bewertung ein, als etwa das Modul der Mobilität.

 


pixabay - geralt

 

Die zu bewertenden Module und deren Untergruppen

Zur Bewertung werden 6 Module mit insgesamt 64 Untergruppen herangezogen. In den einzelnen Modulen werden allgemeine Fragen zu Bereichen des täglichen Lebens und die Fähigkeit des Pflegebedürftigen diese selbstständige durchzuführen beurteilt.

Modul 1 – Mobilität

6 Kategorien, z. B. Motorik, Haltung und einfache Handlungen im Alltag.

Modul 2 - Mentale, geistige und kommunikative Fähigkeiten

11 Kategorien, z. B. örtliche Orientierung, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Entscheidungsfindung im Alltag und Erkennen von Personen aus dem nahen Umfeld.

Modul 3 - Verhaltensweisen und psychische Belastung

13 Kategorien, z. B. motorische Auffälligkeiten, verbale Aggression, nächtliche Unruhe und das Beschädigen von Gegenständen.

Modul 4 - Möglichkeit der Selbstversorgung

13 Kategorien, z. B. körperliche Hygiene, das An- und Auskleiden, Essen und Trinken.

Modul 5 - Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen und therapiebedingten Anforderungen

16 Kategorien, z. B. selbstständige Medikamenteneinnahme, Verabreichung von Injektionen, Messung von Körperzuständen, Sauerstoffgabe usw.

Modul 6 - Meisterung des Alltagslebens und soziale Kontakte

6 Kategorien, z. B. Freizeitgestaltung, Planungen in der Zukunft, Interaktion mit Personen und Einhaltung der Ruhezeiten.

 

Die Punktevergabe

Für die Ermittlung des Pflegegrades werden je nach Schwere der Beeinträchtigung, in insgesamt 64 Bereichen Punkte vergeben.

0 Punkte – selbstständig

Wenn die Person alltägliche Handlungen oder Tätigkeiten ohne fremde Hilfe oder unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln durchführen kann.

1 Punkt – überwiegend selbstständig

Wenn jemand den größten Teil von alltäglichen Handlungen oder Tätigkeiten ohne fremde Hilfe erledigen kann. Für die pflegende Person besteht in diesem Fall nur ein geringer Pflegeaufwand.

2 Punkte – überwiegend unselbstständig

Wenn die Person alltägliche Handlungen oder Tätigkeiten nur noch zu einem geringen Teil selbstständig erledigen kann. Die pflegende Person muss in diesem Fall vielfach unterstützen, motivieren und anleiten.

3 Punkte – unselbstständig

Wenn die Person über keine eigenen Ressourcen mehr verfügt und alltägliche Handlungen oder Tätigkeiten nicht allein ausführen kann. Die pflegende Person muss in diesem Fall nahezu alle Aktionen übernehmen und für den Pflegebedürftigen ausführen.

 

MEDI-MARKT Pflegepaket

Das Pflegepaket von Medi-Markt bietet pflegenden Personen eine Vielzahl an Pflegehilfsmitteln zur Erleichterung der häuslichen Pflege und spendet hochwertigen Schutz.

medi-paket.de

Ähnliche Beiträge

Menschen, die sich im fortschreitenden Alter oder aufgrund einer schweren Erkrankung nur eingeschränkt oder gar nicht mehr selbst versorgen können, haben Anspruch auf Hilfe, um ihren Alltag zu meistern. Diese Hilfe steht jeder pflegebedürftigen Person zu und soll dafür sorgen, dass die Person ihr L

Weiterlesen

Hilfsmittel gleichen körperliche Funktionseinschränkungen des Körpers aus. Ihre Verwendung  erleichtert Betroffenen die meisten Alltagsaktivitäten, Mobilität, Hygiene oder soziale Interaktion. Daher sind sie für viele Menschen unerlässlich, um selbstbestimmt zu arbeiten oder am gesellschaftlichen Le

Weiterlesen

Der Pflegegrad 1 ist im Zuge der Umstrukturierung des Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2017 neu entstanden.   Personen, die vor dem Jahr 2017 noch keine staatliche Unterstützung erhalten haben, werden nun auch von der Pflegekasse unterstützt. Dies betrifft vorrangig Personen mit einer psychischen E

Weiterlesen